Früher: Rauben und Brandschatzen. Heute: Kontrollieren und Aufschreiben.

„Sie kom­men nachts, im Schutz der Dun­kel­heit, um zu rau­ben und zu brand­schat­zen“ hieß es im Mittelalter.

„Sie kom­men nachts, im Schutz der Dun­kel­heit, um zu kon­trol­lie­ren und auf­zu­schrei­ben“ heißt es heute.

Die Rede ist von den kom­mu­na­len Park­raum­über­wa­chern, die den Wes­ten mit einer Flut von Straf­zet­teln überziehen. Natürlich kom­men sie erst spät abends, denn da lässt sich in den Stra­ßen beson­ders gut Kasse machen. Dann, wenn der gemeine Bewoh­ner zuhause ist und sein Auto – in Erman­ge­lung von Park­plät­zen – eben auch dort abstel­len muss, wo die Stadt Kurz­park­zo­nen, Hal­te­ver­bote oder sons­tige „Ver­kehrs­be­hin­de­run­gen“ ein­ge­rich­tet hat.

Beson­ders dreist finde ich die Tat­sa­che, dass Law-&Order-Bürgermeister Schai­rer in der Podi­ums­dis­kus­sion der Stutt­gar­ter Nach­rich­ten eine Über­prü­fung der 22-Uhr-Marke in Aus­sicht gestellt hat. Jetzt zeigt sich, was er mit „Über­prü­fung“ meinte: den geziel­ten Ein­satz sei­ner Kon­trol­leure in der Zeit zwi­schen 20 und 22 Uhr.

Eine Lösung für das Park­pro­blem im Stutt­gar­ter Wes­ten hat die Stadt nicht. Dafür aber die Mög­lich­keit, abzu­kas­sie­ren. Und genau das macht Sie.

Energie, Stuttgart!

Es ist ein Schritt, den man gut­hei­ßen soll: Die Stadt Stutt­gart will die Ener­gie– und Was­ser­ver­sor­gung zurück in kom­mu­nale Hände holen und grün­det neue Stadt­werke.

Der Schritt (zurück) in die Selb­stän­dig­keit bie­tet jedoch nicht nur Chan­cen, son­dern auch viele Risi­ken. Groß wird die Heer­schar an Bera­tern sein, die der Stadt mit Kom­pe­tenz unter die Arme grei­fen soll. Doch ebenso groß wird auch das Inter­esse jener Bera­ter sein, ihren Ein­fluss lang­fris­tig gel­tend zu machen und – im schlimms­ten Fall – mehr eigene Inter­es­sen zu ver­fol­gen, als der Kom­mune lieb sein kann. Das Bei­spiel EnBW-Rückkauf durch den zukünf­ti­gen Ex-Ministerpräsidenten Map­pus war ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel dafür.

Aber zurück zu den Stadt­wer­ken. So endet also vor­aus­sicht­lich in Kürze das, was 2002 sei­nen Lauf genom­men hat: Mit dem Ver­kauf der dama­li­gen TWS (oder hieß die da schon NWS) an die EnBW hat die Stadt nicht nur Tafel­sil­ber ver­äu­ßert, son­dern sich beim Thema kom­mu­na­ler Grund­ver­sor­gung auf ein gefähr­li­ches Ter­rain bege­ben. Zuge­ge­ben – viele Stadt­werke wur­den damals abge­sto­ßen. Die gro­ßen Ener­gie­ver­sor­ger haben ja auch sicher­lich inter­es­sante Ange­bote vor­ge­legt. Denn sie wuss­ten damals schon, was Gewinn­ori­en­tie­rung bedeu­tet – und wie man diese am bes­ten in Ertrag umset­zen konnte.

Es ist also gut, wenn die Stadt sich mit neuen Stadt­wer­ken auf altes Ter­rain zurück begibt. Bleibt nur, der Stadt ein glück­li­ches Händ­chen bei der Aus­wahl der Bera­ter (Ver­las­sen Sie sich nicht nur auf andere), bei der Ver­trags­ge­stal­tung (Gestal­ten Sie den Ver­trag fle­xi­bel und vor­aus­schau­end) und bei der Umset­zung der neuen Stadt­werke (Blei­ben Sie auf dem Tep­pich) zu wünschen..

Und jetzt: Mit vol­ler Ener­gie ans Werk!

217 m reine Ingenieurskunst

Man kann sagen, was man will: er ist ein­fach der Schönste <3

19.000 Knöllchen im April. Chapeau!

Wow — da liegt die Stadt Stutt­gart doch voll im Plan­ziel: 150.000 geahn­dete Park­ver­stöße waren die Plan­vor­gabe aus dem Dop­pel­haus­halt 2010/2011, allein im April wur­den laut den Stutt­gar­ter Nach­rich­ten 19.000 Straf­zet­tel verteilt.

„Die hohe Zahl hängt damit zusam­men, dass der Wes­ten der­zeit der best­über­wachte Bereich der Stadt ist“, sagt Joa­chim Elser, Lei­ter der Ver­kehrs­über­wa­chung in den StN. „Schließ­lich müs­sen wir dafür sor­gen, dass das Sys­tem funktioniert.“

Das Sys­tem „Mone­ta­ri­sie­rung“ funk­tio­niert glän­zend – das beweist die Stadt mit den bis­lang aus­ge­stell­ten Straf­zet­teln ein­drucks­voll. Denn bei rund 18.000−20.000 Fahr­zeu­gen im Wes­ten ste­hen nur rund 10.700 öffent­li­che Park­plätze zur Verfügung

Eine wirk­li­che Lösung der Park­si­tua­tion für die Anwoh­ner (und für die soll das Park­raum­ma­nage­ment ja schließ­lich Nut­zen brin­gen) liegt der­weil nicht im Inter­esse der Stadt. Zu ver­lo­ckend schei­nen die rund 2 Mil­lio­nen Euro für den Stadt­käm­me­rer, die alleine durch die Straf­man­date erzielt werden.

Jammert mir nichts vor!

Bin vor ein paar Tagen an der CDU beim Rote­bühl­platz vor­bei geschlen­dert, als ich die­ses Pla­kat im Augen­win­kel sah:

Wenn ich mich recht ent­sinne, gibt’s den Spruch schon län­ger. So seit 2001 oder 2002. Dass er jetzt noch im Schau­fens­ter der Christ­de­mo­kra­ten hängt, zeugt ent­we­der von einem sehr kon­ser­va­ti­ven Umgang mit der Erneue­rung von Wer­be­mit­teln — oder von einer Neuauflage.

Letz­te­res halte ich mal für wahr­schein­li­cher, denn der Zustand, in dem sich die Par­tei zur­zeit befin­det, erregt wirk­lich Mit­leid. Und des­halb inter­pre­tiere ich den Spruch auch so, dass man einem CDU-Wähler nichts vor­jam­mern möge, hat er doch schon zu viele andere Sor­gen und Nöte mit sei­ner poli­ti­schen Partei.