ver.di bestreikt die SSB. Wer ist eigentlich ver.di?

Ver­mut­lich wer­den sie in ihren Büros sit­zen und sich stolz auf die Schul­ter klop­fen: „End­lich kön­nen wir wie­der strei­ken – end­lich wie­der ein Kampf gegen das Kapi­tal und gegen das Böse in der Welt!“ 

Die Genos­sin­nen und Genos­sen der Ver­ein­ten Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft hat mal wie­der zum Halali gebla­sen und rüs­ten gegen das Volk. In meh­re­ren Städ­ten und Gemein­den Baden-Württembergs, so auch in Stutt­gart, wer­den die Men­schen mor­gen auf Busse und Bah­nen, für die sie nicht nur teuere Fahr­preise berap­pen, son­dern die meist – da kom­mu­nal – durch Steu­er­ein­nah­men aus der Stadt­kasse unter­stützt wer­den, ver­zich­ten müs­sen. Eine Min­der­hei­ten­grup­pie­rung namens Gewerk­schaft oktroy­iert Kom­mu­nen den Nah­ver­kehrs­still­stand auf. Einen Aus­gleich zah­len die Ver­ur­sa­cher von ver.di natür­lich nicht. Unsere Rechts­spre­chung sieht eben vor, dass der Streik ein legi­ti­mes Mit­tel ist und Gewerk­schaf­ten für die Mehr­kos­ten und wirt­schaft­li­chen Ein­bu­ßen, die Drit­ten ent­ste­hen nicht ein­ste­hen muss. Schade eigentlich.

Dabei geht es darum – und das unter­stelle ich den Gewerk­schaft­le­rin­nen und Gewerk­schaft­lern (muss man ja immer in weib­li­cher und männ­li­cher Form schrei­ben, damit sich nie­mand dort auf den Schlips (m/w) getre­ten fühlt) – dass der Streik in ers­ter Linie dar­auf abzielt, eine breite Bericht­er­stat­tung in den Medien zu erlan­gen. Ergeb­nisse kann man auch durch geschick­tes Ver­han­deln oder durch Schlich­tun­gen, auf die es ja in der Regel sowieso her­aus­läuft, erzie­len. Den star­ken Auf­tritt braucht der Club der Ver­hand­lungs­füh­rer, steht man doch unter gewal­ti­gem Erfolgs­duck. Schließ­lich hat die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft in den letz­ten zehn Jah­ren rund 25% ihrer Mit­glie­der ver­lo­ren. Und dage­gen kämpft man nun ver­zwei­felt an.

Denn an sich soll ein Streik nach dem „Ultima-Ratio-Prinzip“ geführt wer­den, also dann, wenn nichts mehr geht in Sachen Ver­hand­lun­gen. Den Ein­druck erwe­cken die Gewerk­schaf­ten regel­mä­ßig jedoch nicht. Sie haben schnell den „Fin­ger am Abzug“ und dro­hen gerne mit dem „High Noon“, wenn sich die Arbeit­ge­ber­seite nicht sofort gewillt zeigt, den teil­weise welt­frem­den For­de­run­gen der Gewerk­schaft­ler Folge zu leisten.

A pro­pos For­de­run­gen: In einer Pres­se­mit­tei­lung von ver.di liest sich der For­de­rungs­ka­ta­log zum ÖPNV so:

ver.di for­dert unter ande­rem:
Erhö­hung der jähr­li­chen Son­der­zah­lung auf 100 Pro­zent; Ver­hand­lung Ent­gelt ab 2012 getrennt für Baden-Württemberg; Glei­che Soll­ar­beits­zeit für Fah­rer und Ange­stellte bei Fei­er­ta­gen; Leis­tungs­ori­en­tierte Bezah­lung (LOB) in freie Tage; Vor­teils­re­ge­lung für ver.di-Mitglieder; Nah­ver­kehrs­zu­lage; Bezah­lung der Wege­zei­ten; 30 Tage Urlaub für alle.

Aha. Vor­teils­re­ge­lung für ver.di-Mitglieder. Heißt kon­kret: Die­je­ni­gen, die mich bestrei­ken soll ich auch noch bevor­zugt behan­deln? Wo bleibt denn da der Gleich­be­hand­lungs­grund­satz, den die Gewerk­schaf­ten so gerne propagieren?

Das Fazit: Die Damen und Her­ren in den Gewerk­schafts­bü­ros pre­di­gen Was­ser und trin­ken selbst Wein. Dabei soll­ten sie sich sich Gedan­ken um ein letz­tes Abend­mahl machen, schei­nen sie doch dem Unter­gang geweiht.

So. Nach der „Gene­ral­ab­rech­nung“ mit dem orga­ni­sier­ten Ver­bre­chen den Strei­kor­ga­ni­sa­to­ren noch was zum Thema Streik in Stutt­gart. Schließ­lich ist das Kehr­wo­chen­blog ja ein loka­les Medium :)

Mor­gen fah­ren weder Busse noch Stadt­bah­nen in der Lan­des­haupt­stadt. Die S-Bahnen, da in DB-Hand, soll­ten also fah­ren – ich wün­sche mir, dass die Ver­ant­wort­li­chen bei Deut­scher Bahn und VVS die Takt­fre­quenz kurz­fris­tig erhö­hen kön­nen und somit zahl­rei­che Men­schen, die mor­gens zu ihrem Arbeits­platz fah­ren wol­len (Ach­tung Gewerk­schaft­ler: Da sind sicher­lich auch ein paar Mit­glie­der unter den Fahr­gäs­ten, wenn auch nicht all zu viele (s.o.)) auch trans­por­tie­ren können.

Ich hoffe, dass der Streik dann bald vor­bei geht und die SSB ihre Auf­ga­ben wie­der in geord­ne­ten Bah­nen erle­di­gen darf. Ohne Stör­feuer aus der Willi-Bleicher-Straße.

Meinungen zu diesem Thema

  1. Thomas Aug 5, 2011 um 0:20 Uhr #

    Ich wette ich renne mor­gen trotz­dem erst­mal zur U-Bahn-Haltestelle, weil ichs bis dahin wie­der ver­ges­sen habe.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>