Die neue Stadtbibliothek: Außen fragwürdig, innen ohne Worte.

Sechs Monate ist es nun her, dass die „Stadt­bi­blio­thek am Mai­län­der Platz“ eröff­net wurde, rund 80 Mil­lio­nen hat sich die Stadt das Bau­werk inmit­ten des neuen „Euro­pa­vier­tels“ kos­ten las­sen. Viel Spott und Häme muss­ten sich die Ver­ant­wort­li­chen über das Äußere der Büche­rei anhö­ren – zu Unrecht wie ich heute fest­stel­len durfte. Nicht, dass der Kubus eine Schön­heit wäre. Doch im Inne­ren stellt sich der „Bücher­k­nast“ noch viel schlim­mer dar, als man von außen ver­mu­ten möchte.

Eine Mix­tur von Kli­ni­kum und gebrauch­ter Ste­ri­li­tät erwar­tet den Besu­cher, wenn er das Bau­werk betritt. Das helle Grau der Innen­ein­rich­tung ver­sucht ver­krampft, modern zu wir­ken. „Mini­ma­lis­tisch“ mag der Archi­tekt sein Werk bezeich­nen, und man darf ihn getrost beim Wort neh­men. Denn die Berei­che, in denen Bücher in IKEA-gleichen Rega­len auf ihre aus­leihe war­ten, laden weder zum Ver­wei­len ein, noch scheint die Lüf­tungs­an­lage einen akzep­ta­blen Dienst zu ver­rich­ten. Und ab davon sieht die Büche­rei an so man­cher Stelle schon reich­lich „used“ aus – als hätte sie schon so man­ches Jahr auf dem Buckel, gerade ein hal­bes Jahr nach ihrer Eröffnung.

Man mag über­rascht sein ob der zahl­rei­chen Schü­ler und Stu­den­ten, die sich an unwirt­li­chen Tischen zu klei­nen Lern­grup­pen for­mie­ren – und man möchte sich den Zustand von Stutt­garts Schu­len und Uni­ver­si­täts­ein­rich­tun­gen gar nicht vor­stel­len, der die Ler­nen­den in die­ses Bau­werk treibt.

Das „Herz“ der Biblio­thek, ein Raum von geschätz­ten 200 Qua­drat­me­tern Grund­flä­che und vier Stock­wer­ken in der Höhe, soll einen Akzent in der sonst so trost­lo­sen Bücher­ver­wahr­an­stalt schaf­fen. Doch einen Puls­schlag, der dem Kubus Leben ein­haucht, sucht man ver­geb­lich. Sar­ko­phag wäre eine ange­mes­se­nere Bezeich­nung für den reich­lich trost­lo­sen Raum.

In den obe­ren Stock­wer­ken domi­niert der Gale­rie­raum den Bau. Luf­tig soll er wir­ken, und schafft dies zuwei­len auch. Doch die offene Bau­weise bie­tet dem Schall eine groß­zü­gige Spiel­wiese und so wun­dert es nicht, wenn man im ach­ten Stock das Umblät­tern einer Zei­tung deut­lich wahr­nimmt, der sich auf der fünf­ten Ebene auf­hält. Über­haupt fällt es schwer, in Ruhe in den zahl­rei­chen Büchern und Zeit­schrif­ten schmö­kern zu kön­nen. Denn neben der Geräusch­ku­lisse, die reich­lich vor­han­den ist, fällt die Biblio­thek in ers­ter Linie durch die wenige, aber unin­spi­riert wir­kende Möblie­rung auf.

Zuge­ge­ben: Auf Plä­nen oder auf Bil­dern wirkt der Bau erfri­schend. Doch aus mei­ner Sicht ist er an der Rea­li­tät und am Bedarf vor­bei gebaut. Denn in einer Biblio­thek soll­ten Bücher die Haupt­rolle spie­len – und nicht durch dis­kus­si­ons­wür­dige Archi­tek­tur zu Sta­tis­ten degra­diert werden.

Doch gibt es nicht nur nega­ti­ves zu berich­ten. Ange­nehm auf­ge­fal­len ist der güns­tige Bei­trag, den der geneigte Aus­lei­her als Jah­res­ge­bühr berap­pen muss. 15 Euro sind ein Schnäpp­chen in Anbe­tracht der Tat­sa­che dass man nicht nur in der Stadt­bi­blio­thek, son­dern auch in 17 Stadt­teil­bü­che­reien, vier Kran­ken­haus­bü­che­reien und dem mobi­len Able­ger des Hau­ses mit Lek­türe ver­sorgt wird. Die Aus­leihe an sich funk­tio­niert pro­blem­los und schnell.

Ach ja: Bei 80 Mil­lio­nen Bau­summe hätte sich die Stadt sicher­lich noch den ein oder ande­ren Weg­wei­ser gön­nen kön­nen. Denn die Beschil­de­rung zur Biblio­thek ist ähnlich wie der Bau selbst: Mini­ma­lis­tisch – oder mit ande­ren Wor­ten – nicht wirk­lich vorhanden.

Besucht den Stuttgarter Bundespräsidenten

Wenn man in Stutt­gart Theo­dor Heuss erwähnt, wird das unmit­tel­bar mit der „Theo“ gleich­ge­setzt – jener Meile, auf der Tem­po­li­mite außer Kraft gesetzt zu schei­nen. Aber um die geht es hier nicht.

Es geht um Theo­dor Heuss, den ers­ten Bun­des­prä­si­den­ten unse­rer Repu­blik (1949−1959), und ins­be­son­dere um das Theodor-Heuss-Haus oben auf dem Kil­les­berg. (Ich weiß – Heuss war kein wirk­li­cher Stutt­gar­ter, aber die Head­line bringt ein­fach mehr Leser. Doch zurück zum Thema.)

Das Theodor-Heuss-Haus fei­ert in die­sem Jahr sein 10-jähriges Beste­hen. Das ist nicht nur erfreu­lich, son­dern umso mehr erwäh­nens­wert, da viele Stutt­gar­ter das Haus gar nicht ken­nen. Dabei – und das freut den Schwa­ben – ist der Ein­tritt in die Wohn­räume frei und man erhascht einen Ein­blick in das Wir­ken Heuss‘ nach sei­ner Amts­zeit. Abso­lut emp­feh­lens­wert ist die Dau­er­aus­stel­lung: Heuss‘ Leben wird von frü­her Kind­heit bis zu sei­nem Tod 1963 akri­bisch auf­ge­ar­bei­tet, dar­ge­stellt mit­hilfe zahl­rei­cher Expo­nate und Doku­mente aus jenen Zei­ten. Es lohnt sich, Zeit mitzubringen!

Also: Hin­ge­hen, stau­nen, und sich über das Wir­ken eines Bun­des­prä­si­den­ten freuen, der mit bezahl­ten Urlau­ben, gespon­sor­ten Ver­an­stal­tun­gen oder „inter­es­san­ten“ Immo­bi­li­en­kre­di­ten nichts zu tun hat. Zumin­dest, was den Häus­le­bau anbe­langt, ist das belegt: Dafür gab’s näm­lich einen ganz nor­ma­len Bau­spar­ver­trag bei der Wüstenrot.

Und noch was: Das Theodor-Heuss-Haus hat auf Face­book gerade mal 75 Fans. Könnt ihr das bitte mal ändern? Like this! Danke.

Alle Infos zum Heuss-Haus gibt’s auch hier: http://www.stiftung-heuss-haus.de/html/theoheusshaus.html

Lesetipp: kessel.tv bei der Buchvorstellung von Gerhard Mayer-Vorfelder »

Der Kol­lege Außen­re­por­ter und der Kol­lege Gei­ger, bei­des unehe­li­che Kin­der von Ger­hard Mayer-Vorfelder, sind ein­ge­la­den zur Buch­prä­sen­ta­tion von MVs Bio­gra­phie, Titel: „Ein stür­mi­sches Leben“. Es mode­riert: Gün­ther Oet­tin­ger. Zuge­schal­tet wird ein ehe­ma­li­ger Bun­des­trai­ner aus Los Äint­sche­les. Außer­dem zu Gast: der halbe Reichs­par­tei­tag. Kar­ne­val in Köln ist Kin­der­fa­sching dage­gen – ein stür­mi­scher Erfahrungsbericht.

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